Wie misst man eigentlich Farbe zuverlässig in der industriellen Praxis?
Und was passiert, wenn sich der Farbeindruck je nach Material, Oberfläche oder Prozessschritt verändert?
Genau darüber sprechen wir im SKZ-Podcast „KUNSTSTOFF: nachgefragt“ gemeinsam mit den Moderatoren Matthias Ruff und Alexander Hefner. Im Gespräch mit ColorLite-Gründer David Pryor wird schnell deutlich: Farbe ist kein fixer Wert, sondern ein Zusammenspiel aus Licht, Material und Wahrnehmung.
Dieser Beitrag greift zentrale Gedanken aus dem Podcast auf und ordnet sie ein. Denn gerade in der industriellen Qualitätssicherung zeigt sich, wie anspruchsvoll Farbmessung tatsächlich ist.
Visuelle Beurteilungen stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. Unterschiedliche Lichtbedingungen, variierende Oberflächen oder subjektive Wahrnehmung führen dazu, dass Farben unterschiedlich bewertet werden. Was für das Auge „gleich“ erscheint, kann messtechnisch bereits außerhalb der Toleranz liegen – oder umgekehrt.
Für die Praxis bedeutet das: Verlässliche Entscheidungen lassen sich nicht auf Basis von Eindrücken treffen. Sie brauchen reproduzierbare Messwerte.
Was gute Farbmessung leisten muss, und warum Reproduzierbarkeit entscheidend ist
Im Podcast wird ein zentraler Punkt besonders deutlich: Der eigentliche Wert der Farbmessung liegt nicht nur in der Erfassung von Farbwerten, sondern in der Güte ihrer Vergleichbarkeit.
Farbe wird messbar, indem eine Probe mit definiertem Licht beleuchtet und das reflektierte Licht spektral erfasst wird. Daraus entstehen Farbwerte, etwa im CIE Lab*-Farbraum, die eine objektive Beschreibung ermöglichen. Erst dadurch lassen sich Farbdifferenzen als ΔE quantifizieren, Toleranzen definieren und Qualitätsentscheidungen absichern.
Doch ein einzelner Messwert reicht nicht aus. Entscheidend ist, dass Messergebnisse reproduzierbar sind – unabhängig davon, wer misst, wo gemessen wird oder welches Gerät eingesetzt wird.
Matthias Ruff bringt es im Podcast treffend auf den Punkt: „Im Grunde seid ihr der maschinelle Qualitätsprüfer.“ Genau darin liegt die Stärke moderner Farbmesssysteme. Sie machen Farbe unabhängig von subjektiver Wahrnehmung und schaffen eine verlässliche Grundlage für Entscheidungen in der Qualitätssicherung.
Von Granulat bis Hightech: Wo Farbmessung heute eingesetzt wird
Im Gespräch wird auch deutlich, wie breit die Anwendungsfelder der Farbmessung heute sind.
Ein besonders anschauliches Beispiel ist die Kunststoffverarbeitung. Hier verändert sich die Farbe je nach Zustand des Materials – vom Granulat über die Schmelze bis hin zum fertigen Bauteil. Um dennoch verlässliche Aussagen treffen zu können, wird immer relativ zu einem definierten Referenzwert gemessen. So lässt sich bereits im Wareneingang oder während der Produktion erkennen, ob ein Material innerhalb der gewünschten Spezifikation liegt.
Gerade bei inhomogenen Materialien wie Kunststoffgranulat zeigt sich, wie wichtig ein angepasster Messaufbau ist. Unterschiedliche Pelletlagen, Schnittkanten oder Weißbruch beeinflussen das Reflexionsverhalten und damit das Messergebnis. Hier sind eine geeignete Messgeometrie, ausreichend große Messflächen und Mehrfachmessungen entscheidend, um stabile Werte zu erhalten.
Doch die Farbmessung reicht weit über die Kunststoffindustrie hinaus. Im Podcast werden Anwendungen in der Textil- und Papierindustrie ebenso angesprochen wie in der Lebensmittelproduktion, etwa bei der Bestimmung von Röstgraden. Selbst in der Luftfahrt kommt Farbmessung zum Einsatz, beispielsweise zur Analyse thermischer Belastungen auf Bauteiloberflächen.
Diese Bandbreite zeigt: Farbe ist in vielen Prozessen ein kritischer Qualitätsparameter – und ihre Messung ein integraler Bestandteil moderner Qualitätssicherung.
Fazit: Farbe wird erst durch Messung beherrschbar

Screenshot (v.l.n.r.): David Pryor (ColorLite), Alexander Hefner (SKZ) und Matthais Ruff (SKZ)
Das Gespräch im SKZ-Podcast macht eines sehr deutlich: Farbe ist kein objektives Merkmal eines Produkts, sondern das Ergebnis komplexer Wechselwirkungen.
Gerade deshalb braucht es präzise und reproduzierbare Messtechnik, um aus einem subjektiven Eindruck belastbare Daten zu machen. Erst durch diese Übersetzung wird Farbe vergleichbar – und damit steuerbar.
Farbmessung ist damit weit mehr als eine Kontrollinstanz. Sie ist ein aktiver Bestandteil stabiler Prozesse, reduzierter Ausschussquoten und verlässlicher Qualität.
Podcast anhören und mehr erfahren

Titelbild zum Podcast des SKZ „Kunststoff: nachgefragt
Wenn Sie tiefer in das Thema einsteigen möchten, empfehlen wir Ihnen die vollständige Folge des SKZ-Podcasts „KUNSTSTOFF: nachgefragt“. Darin gibt ColorLite-Gründer David Pryor spannende Einblicke in die Praxis der Farbmessung und zeigt, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten heute sind.
🎧 Reinhören lohnt sich unter www.skz.de/podcast oder direkt über z.B. Spotify.
Als langjähriges Mitglied im SKZ – Das Kunststoff-Zentrum schätzen wir den fachlichen Austausch und die starke Vernetzung innerhalb der Kunststoffbranche sehr.
Wir bedanken uns herzlich bei den Moderatoren Alexander Hefner und Matthias Ruff für das offene und spannende Gespräch.
